Der
Buddhismus
Die
buddhistische Lehre hat bei der geistigen Prägung Thailands
die wohl wichtigste Rolle gespielt. Eingeführt wurde sie
im heutigen Landesgebiet wahrscheinlich schon im 3. Jh. n. Chr.
durch indische Mönche. Doch bereits vor dieser Zeit gab
es andere religiöse Gebräuche, deren Spuren noch heute
im Geisterglauben der Thai verankert sind und die ebenfalls
Eingang in den Buddhismus gefunden haben.
Der Name "Buddha" heißt übersetzt "der
Erleuchtete" und geht auf den Bettelasketen Siddharta Gautama
zurück, der sich im 6. Jh. v. Chr. auf Wanderschaft begab,
um das Wesen der Dinge zu ergründen. Der Legende zufolge
erfuhr er sieben Jahre später unter einem Feigenbaum jene
Erleuchtung, die bis heute Gegenstand der buddhistischen Lehre
ist. Um ihrer willen wird Buddha in zahllosen Tempeln verehrt
- nicht als Gott, sondern als Philosoph, der durch Askese und
Meditation zum Nirwana gelangt ist, dem Zustand der seligen
Ruhe.
Der
Alltag der Menschen folgt dieser Lehre bis heute mit dem sogenannten
Theravada-Buddhismus, der ursprünglich aus Indien kommt.
Da Mönchtum und Askese ein Bestandteil dieser Lehre sind,
erhielt die Glaubensrichtung auch den Namen Hinayana - "kleines
Fahrzeug" zum Heil. 95% der thailändischen Bevölkerung
bekennen sich zu dieser Lehre. Der Tradition entsprechend wird
heute noch erwartet, daß jeder buddhistische Mann einmal
in seinem Leben als Mönch für die Dauer von einer
Woche bis zu einem halben Jahr ins Kloster geht und Buddhas
Vorbild folgt. Mit Ausnahme der gelben Robe und einer Almosenschale
muß der Mann während dieser Zeit auf jeglichen Besitz
verzichten und sich zum Studium in Klausur begeben. Trotzdem
leben die Mönche nicht vom Alltag abgegrenzt. Fast jedes
der über 25.000 Klöster in Thailand, die Wat genannt
werden, ist an eine Schule gekoppelt, und oft kann man die 'Asketen'
bei so profanen Dingen wie einem Fußballspiel oder auch
bei einem handfesten Streit entdecken. Festliche Zeremonien
wie das Segnen neuer Gebäude sind ohne Mönche undenkbar,
und Feste wie der Anfang der Regenzeit werden mit großer
Ausgelassenheit gefeiert.